Die Kunst der Begegnung

Ich bin Künstlerin

Ich bin Künstlerin, durch und durch. Ich bin nie da gewesen, wo Menschen plötzlich sagen, ich
muss da aussteigen. Ein Hamburger Kunstsammler hat einmal gesagt, der Unterschied zwischen
einem Künstler und einem Aussteiger ist der, dass der Künstler nie eingestiegen ist. Das bin ich,
nie eingestiegen – mit all seinen Konsequenzen.

Die Therapeutin ist eine Rolle, die mir nicht entspricht

Ich hätte Therapeutin werden können, ich war schon zur Prüfung angemeldet, doch in mir
formte sich ein Widerwille. Ich wollte nicht Heilpraktikerin für Psychotherapie sein. Die
Therapeutin wäre ein Rolle für mich gewesen – die mir eine lange Zeit über sehr attraktiv
erschien. Auch in diesem Fall folgte ich meiner völlig irrationalen inneren Stimme und ich
meldete mich von der Prüfung wieder ab. Heute bin ich sehr froh darüber. Denn das, was ich in
meiner Praxis mache, wenn ich dort mit Menschen arbeite, ist keine Therapie. Und vor allem bin
ich keine Therapeutin. Ich bin „Künstlerin der Begegnung“. Ich gestalte Begegnung. Ich liebe
Begegnung. Ich glaube, dass wahre Heilung in der Begegnung liegt.

Wahre Heilung liegt in der Begegnung

… anfänglich in der Begegnung mit anderen Menschen. Menschen, die mir wirklich begegnen,
indem sie mir die Begegnung mit mir selbst erlauben. Natürlich kann kein Mensch einem
anderen verbieten, dass er sich selbst begegnet, aber es gibt eben Menschen, die fördern die
Selbstbegegnung. Davon bin ich einer. Und ich habe viele dieser Menschen getroffen in meinem
Leben. Die „Schlimmsten“ dieser Sorte waren die größten Meister. Und dann irgendwann, dann
begegne ich mir selbst, auch ohne, dass ein anderer mir den Weg weist. Dann finde ich selbst zu
mir. Stets und in jedem Moment, dann kommt es mir vor, als sei ich wieder ein Stück
erwachsener geworden, reifer, wacher, freier.

Die Kunst, sich selbst in allem zu begegnen

Was ist also die Kunst dabei, jemandem wirklich zu begegnen? Was ist das Geheimnis, der
Zauber von Begegnung? Begegnung, die schmeckt wie Kaffee und Kuchen, wie die würzige Luft
des Waldes, wie eine Schneelandschaft im Sonnenschein, wie etwas, dass dich in der Tiefe
berührt, anrührt, dir einen Weg weist in die Tiefe deines Wesens, die dir dieses wohlig warme
und zugleich frische und leichte Gefühl verleiht, dass du gut bist, wie du bist, dass du dich wohl
fühlst in deiner Haut, die du nun auf eine Art spüren kannst, als lägest du in einer warmen
Badewanne? Ihr wisst, was ich meine, oder?
Was also ist das Geheimnis?

Das Geheimnis ist Liebe und Vertrauen

Das Geheimnis ist Liebe. Zu mir selbst und zum anderen. Vertrauen in den Moment, der uns
verbindet und dem wir uns hingeben. Vertrauen in das Leben, das uns zusammengeführt hat.
Vertrauen darin, dass ich mir selbst begegne im anderen. Nicht nur der „Klient“, der sich durch
mich selbst begegnet, sondern auch ich, die ich mir selbst im Klienten begegne. Das Wissen, dass
uns nichts trennt, dass ich du bin und von daher ich das alles bin. Die Gewissheit, dass alles was
mir an diesem Ort, in diesem Moment, in diesem Menschen begegnet, gut ist.
Dazu gehört auch Verständnis, für all die Unzulänglichkeiten in mir und im Anderen, für die
Falle, perfekt sein zu wollen in dem, was ich für Andere tun kann. Begreifen, dass ich nichts tun
kann, dass ich nur sein kann, dass ich niemanden retten kann und muss. Das es reicht, da zu sein.
Da, an diesem Ort, mit diesem Menschen. DaSein mit all seiner Wucht und Größe die das mit
sich bringt, wenn man sich einlässt auf das Leben. Wenn man den Impulsen folgt, für die man
sich durch diese Haltung öffnet, so ungewöhnlich sie auch sein mögen. Und dafür noch eine
große Tüte Mut, die einem hilft, ungewöhnlich zu sein. Mit Lust und Leidenschaft, ein bisschen
frech und vor allem fröhlich. In der tiefsten Traumaarbeit von Herzen weinen, lachen und
fröhlich sein. Das spielFREUDIGE Kind in dir wecken und lebendig sein lassen.
Wenn das gelingt, dann gehen ich und der Andere in Dankbarkeit und ein Stückchen heiler
wieder auseinander.
Das ist die Kunst der Begegnung.

1 Kommentar zu „Die Kunst der Begegnung“

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