Ich bin das größte Abenteuer meines Lebens.

In mir finden die dramatischsten und aufregensten Reisen statt und ich bin immer live dabei und meist reißt es mich einfach mit. Es ist erstaunlich, zu welchen Gefühlen und inneren Bilderreisen ich fähig bin, ohne auch nur einen Schritt mit meinen Füßen zu tun. Meine Gedankenwelt ist sehr lebendig und oft kriege ich gar nicht mit, was wirklich ist. Herauszufinden, was wirklich ist, kann aber ein wahrer Schatz sein. Denn während ich gerade das größte Drama meines Lebens in mir inszeniere, weil eine Vorstellung über mein ideales Leben als dreifache Mutter, Frau und Beraterin droht nicht wahr zu sein, kocht mein Mann in Ruhe Kaffee und bekommt davon gar nichts mit. Und ich frage mich, ob ich vielleicht im falschen Kino sitze und lieber den Raum wechseln sollte. Vielleicht nach Saal 1, wo mein Mann gerade gemütlich Kaffee braut.

Was es dafür braucht ist etwas Mut, mir selbst mein Drama zu nehmen indem ich meine Gedanken und die Bilder dazu auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfe. Ich weiß, das klingt für manchen vielleicht stinklangweilig. Überprüfen! Uh! Ich bin doch nicht von der Oberfinanzdirektion.

Man könnte es auch anders beschreiben:

Ich schaue hinter das Drama und was es da zu entdecken gibt.

Ein Beispiel:

“Ich fühle mich überfordert mit der Fülle meiner Aufgaben.” Das ist so ein typischer Gedanke, den ich hier mithilfe der Vier Fragen von “The Work of Byron Katie”* überprüfe möchte.

Ist das wahr?

Eigentlich braucht es nicht mehr als diese eine Frage. Wenn ich über diese eine Frage meditiere, dann kann ich schon die ganze Komplexität der Entstehung dieses Gedankens erforschen und ihn gewiss als Lüge entlarven. Für die meisten (auch für mich) ist es allerdings hilfreich, sich in Zwischenschritten dem Ziel zu nähern (Ja, wie in Algebra – Ich habe mein Abi übrigens mit den Leistungskursen Kunst und Physik absolviert – so ein Potential!!!). Dazu dienen die folgenden Fragen. Schon mal vorweg: Die Erforschung des einfachsten Gedankens ist oft das größte Abenteuer. Ich bin immer wieder erstaunt und erfreut über die dahinterliegende Lebendigkeit. Du weißt vorher nie, wo es Dich hinführt!

Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

Diese Frage verdeutlicht die Frage nach dem Wahrheitsgehalt. Denn es geht um die Wahrheit unter dem Himmel der Sterne!! Wenn du alles, was es in diesem Universum an Möglichkeiten und Perspektiven gibt in deine Erforschung dieses Gedankens einbeziehst, ist er dann immer noch wahr? Schließlich geht es hier um die absolute Wahrheit.

Wie fühlst du dich/was passiert, wenn du den Gedanken glaubst?
“Ich fühle mich überfordert mit der Fülle meiner Aufgaben.”

Und hier erforschst du die Welt deines Dramas. Hier geht es darum, die Reichweite dieses Gedankens zu erfahren. Du wirst überrascht sein, wo er überall seine Finger im Spiel hat. Hier gibt es Unterfragen: Wie fühlt sich dein Körper, wenn du diesen Gedanken glaubst? Was für Süchte zeigen sich, wenn du den Gedanken glaubst? Wie behandelst du dich und andere, wenn du diesen Gedanken glaubst? Und so fort.

Meine Erfahrungswelt dieses Gedankens oben sieht so aus: Ich spüre Druck von allen Seiten auf meinen Körper, besonders im oberen Bereich. Ich bekomme einen Tunnelblick und da ist es dunkel. Als Sucht zeigt sich, dass ich mich mit unsinnigen Recherchen im Internet ablenke, dass ich mir überlege, was ich meiner Tochter zum Geburtstag schenke, obwohl es noch zwei Monate hin ist. Ich beschäftige mich damit, was es leckeres zum Abendessen geben könnte, mal was ganz anderes als sonst. Ich verabrede mich mit einer Freundin. Ich weiche den wichtigen Aufgaben aus. Ich sehe sie gar nicht und fühle mich blockiert. Ich kann die Aufgaben gar nicht erkennen. Ich tue so, als ob ich all das nicht bewältigen könnte. Ich mache mich klein und vertraue nicht mehr auf meine Fähigkeiten. Ich sehe nur das, was ich nicht kann und will.
Welche Bilder aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft (das Horrorszenario) zeigen sich, wenn du den Gedanken glaubst?
Ich sehe mich in Leipzig, wo ich beinah alleinerziehend war und wie ich mich todmüde von Raum zu Raum schleppe, ein Baby und ein Kleinkind gleichzeitig ins Bett bringen wollend und es stellt sich keine Ruhe ein. Nie. Und ich bin verzweifelt. Alles ist dunkel. Mir ist schlecht und es ist bedrückend. In der Zukunft sehe ich nicht enden wollende Aufgaben. Ein sich abmühen im Alltag und nicht auf die Beine kommen.

Wie ihr seht, ist es ein sehr unattraktiver und sehr weitreichender Gedanke mit großen Auswirkungen auf mein Körpergefühl und mein Selbstbild. Ich wechsele mal schnell den Kinosaal und beschreibe euch die Welt ohne diesen Gedanken:

Wer wärst du ohne den Gedanken “Ich fühle mich überfordert mit der Fülle meiner Aufgaben.”?

Hier gehe ich in die Stille und beobachte, welche Welt sich auftut.

Ohne den Gedanken könnte ich mich schon mal etwas besser umschauen. Kein Tunnelblick mehr. Ich nehme viel mehr um mich herum wahr – den Bambus vor dem Fenster, das helle sanfte Licht. Mein Blick fällt auf den Schreibtisch und was da so als nächstes auf der ToDo Liste steht. Ich schaue mir das in Ruhe an und entscheide einfach, was ich jetzt machen möchte. Die Bedrückung ist weg. Ich kann still in mir sein und einfach das Nächst-nächste denken und tun. Es hat auch nichts mehr von erledigen, sondern von tun im Sinne von “die Aufgabe ausfüllen mit mir selbst”. Ich bringe mich und meine Fähigkeiten in die Erfüllung der Aufgaben voll ein. Egal, ob es sich um Kochen, Büroarbeit oder sonst etwas handelt. In mir ist es ruhig. Ich versuche, mich nicht mehr abzulenken, denn es mach mir Freude, meine Fähigkeiten bei allem einzusetzen und mich davon überraschen zu lassen, was mir dabei alles einfällt. Ich erlebe mich als kreativen Menschen. Ich behandele mich gar nicht mehr. Ich bin. Mein Körper fühlt sich leicht an. Vergangenheit und Zukunft haben keine so große Bedeutung mehr. Ich staune!

Nachdem ich nun die vier Fragen beantwortet habe, folgen noch die Umkehrungen des Gedankens. Das ist eine sehr erhellende Variante, um noch weiter in die Tiefe zu gehen.

Umkehrung Nummer 1: Ich fühle mich nicht überfordert mit der Fülle meiner Aufgaben.

Das ist jetzt definitiv wahrer als mein ursprünglicher Gedanke. Denn das ist das, was ich gerade erlebt habe in der Erlebniswelt ohne den Gedanken. Wenn es möglich ist, mich ohne den Gedanken zu begreifen, kann er nicht die absolute Wahrheit sein.

Ich blühe auf, mit der Fülle meiner Aufgaben.

Ja, das kann ich jetzt sagen. Da ich meine ganze Kreativität und meine Fähigkeiten einbringe beim Ausfüllen meiner Aufgaben, ist genau das der Effekt. (Und ich kann euch berichten, dass sich, während ich einen Tag später hier Korrektur lese, das Gefühl der Leichtigkeit und Freude an den auftauchenden Aufgaben noch gesteigert hat. Ich wachse da so richtig rein – ich kann diese spezielle “work” wirklich jedem empfehlen, der mit Alltagsstress zu tun hat.)

Nummer 2: ““Mein Denken ist überfordert mit der Fülle meiner Aufgaben.”**

**dies ist eine zulässige Variante, wenn der ursprüngliche Gedanke einer über mich selbst ist. Dann ersetze ich ‘Ich’ mit ‘Mein Denken’ und schaue, wo dieser Satz wahrer ist als der ursprüngliche.

Mein Denken ist tatsächlich überfordert. Ganz offensichtlich. Denn mein Denken/mein Verstand glaubt, dass er all diese Aufgaben lösen muss. Das ist aber einfach nicht wahr. Wenn ich meine Aufgaben “ausfülle”, so wie ich es vorhin innerlich erlebt habe, dann lösen sich die Aufgaben auf. Dann lebe ich einfach den Augenblick mit und ohne Aufgabe und dann den nächsten und den nächsten. Dann bin ich in Stille und die Aufgaben treiben durch mich hindurch und ich fülle sie mit meinen Fähigkeiten und meiner Kreativität. Dann braucht es nicht viel Denkleistung. Wer den Zustand der Kreativität kennt, der weiß es. Es ist eine andere Art von Wissen und tun, als das “Erledigen von Aufgaben auf der Verstandesebene.” Im Zustand von Kreativität (auch Flow genannt von einigen) habe ich Zugang zu einem höheren Wissen. Damit ist mein Verstand wahrlich überfordert. Da kommt er an seine Grenzen, während ich gerade über meine Grenzen hinauswachse. Hier komme ich auch wieder in meine Kraft als Künstlerin.

Das Befreiende an der Erkenntnis, die ich gerade hatte während ich euch schreibe ist, dass sie nicht wieder weicht. Das ist eben das schöne an Erkenntnissen. Wer einmal hinter die Kulissen schaut, der sieht das, was auf der Bühne passiert in einem anderen Licht. Er kann sich zwar noch verzaubern lassen vom Drama oder der Komödie, aber er weiß, wo er es einordnen muss. Er weiß, dass das nicht die Wirklickeit ist. Die Wirklichkeit finde ich außerhalb des Theaters. Im Theater finde ich die Gedanken und Interpretationen über die Wirklichkeit. Wenn ich am Ende der Performance auf den Theaterplatz trete, entdecke ich wohlmöglich den schönsten, friedlichsten, unendlichen Sternenhimmel und weiß, das war nur ein Spiel und der Kaffee in Saal 1 ist fertig.

Das ist der Zauber

Der Blick nach Innen und der nach Außen ist für immer verändert und meine Umwelt reagiert auf diese Veränderung – unmittelbar.
Ich bin immer wieder berührt von der Tiefe, Intensität und Effektivität von “The Work” und den Menschen, die mit mir auf diese Forschungsreise gehen. Für mich ist es die authentischste Art in den Dialog mit meinem Körper und meiner Seele zu gehen.

Wenn du dich angesprochen fühlst von dem was ich erlebe und du das auch willst, dann steige einfach in einen der laufenden Kurse ein. Ich freue mich auf dich, wer immer du bist.

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